William Boyd: Ruhelos

Ruhelos. Fernglas auf grünem Sessel

Hu! Ein Agententhriller!
Ruths Mutter benimmt sich komisch. Leidet sie an Alters-Paranoia? Oder gibt es einen guten Grund dafür, dass sie immer den nahegelegenen Wald  mit dem Fernglas absucht und vermutet, jemand wolle sie umbringen?

In kleinen Häppchen konfrontiert die Mutter Ruth mit der Vergangenheit: damit, dass sie in Wirklichkeit Eva heißt, Halbrussin ist und, seit ihr Bruder erschossen wurde, in den Wirren des Zweiten Weltkriegs als Agentin gearbeitet hat, dann aber wegen eines Vorfalls untertauchen musste.

Mithilfe von Evas Manuskripten taucht man ein in die Agentenwelt der 30er und 40er Jahre und in die Liebesgeschichte zwischen Eva und ihrem Chef Romer – die natürlich deswegen besonders spannend ist, weil die wichtigste Regel unter Spionen lautet: traue niemandem – auch nicht deinem Geliebten. Zugleich fühlt sich das aber an wie ein Spiel mit etwas Kriegskolorit – und der Ernst der Lage, die Gefahr, die Angst, erwischt einen nicht ganz.

Als Kontrastfolie zur Agentenwelt dient Ruths Gegenwart als alleinerziehende Mutter im Oxford der 70er Jahre, die dort mit viel Alkohol und einer leicht ironischen Haltung durch ihren Alltag schlittert. Und die Geschichte ihrer Mutter färbt ab: könnten nicht alle um Ruth herum auch Agenten sein? Oder Terroristen? Oder ist eigentlich doch alles harmlos?

Der Roman von William Boyd basiert auf einer sehr guten Idee, die einen über die knapp 370 Seiten hinweg trägt. Einige Erzählstränge bleiben aber eher lose in der Luft hängen, Angelegtes wird nicht weiter verfolgt, und das Ende erscheint seltsam zerfranst. Das ist dann ein bisschen schade – hat man doch das Gefühl, dass in dieser Mutter-Tochter-Konstellation und in der Geschichte der alternden Agentin noch weitaus mehr drin gewesen wäre.

 


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