Schreibspiel: Talent

eine bläuliche Tasse vor weißem Hintergrund.

In einem Buch habe ich ein Schreibspiel entdeckt, das ich einfach mal gemacht habe – und das ich nur empfehlen kann, denn bei mir, zumindest, war es sehr erkenntnisreich.

Die Aufgabe war:

Ein Akronym machen auf das Wort TALENT, d.h. lauter Wörter finden, deren Anfangsbuchstaben zusammen das Wort “Talent” ergeben.

Bei mir waren die zufällig aus meinem Kopf geklaubten Wörter:

Tassen
Arbeitslosigkeit
Liebe
Entgleisen
Noten
Tinte

Und die nächste Aufgabe: Schreibe einen kurzen Text, in dem diese Wörter Verwendung finden.

Hab ich gemacht, und bei mir ist etwas reichlich Trauriges rausgekommen:

Die Tassen in meinem Schrank langweilen sich aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit. Keine Liebe schlägt ihnen entgegen, ich benutze sie nicht. Wenn der Zug, in dem der Schrank steht, in dem ich all meine Tassen aufbewahre, eines Tages entgleisen wird, werden sie zerschellen und dabei einen scheppernden Vielklang erzeugen. Ich schreibe die Noten ihres Todesgesangs auf, und weil ich dabei weinen muss, verschmiert mir am Ende die Tinte.

Mir scheint, es wird Zeit, die Tassen mal aus dem Schrank zu nehmen, beim Kaffeeklatsch oder einfach mal so, bei einer geruhsamen Tasse Tee. Auch wenn Leute dann denken, man hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank. Wenn all die Tässchen und Tassen und Becher und Humpen dann eines Tages abgestoßen sind von der Benutzung, vom Leben und von der Geselligkeit – dann fühlen sie sich zumindest nicht mehr arbeitslos und ungeliebt, wenn eines fernen Tages mein Lebenszug so scheppernd entgleist.

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