Bloggerpreis “Das Debüt 2017”: Meine abschließende Wertung

Das waren wieder fünf spannende, abwechslungsreiche und besondere Bücher, die es auf die Shortlist des Blogggerpreises “Das Debüt” geschafft haben. Obwohl das sich dann so anfühlt, als müsste man Äpfel mit Birnen vergleichen, wie Silvia von “Leckere Kekse” schrieb, haben sich die fünf Titel in meinem Kopf trotzdem wie von selbst zu einer Rangfolge sortiert.

Bild zum Roman "Oder Florida" von Christian Bangel. Bloggerpreis "Das Debüt". Hochhäuser im November.MEIN PLATZ 3 ist “Oder Florida” von Christian Bangel. Die Geschichte aus den 90er Jahren in Frankfurt/ Oder und Hamburg erzählt von den Folgen der Wiedervereinigung, von Kämpfen mit den Nazis, von den absurden Auswüchsen des Kapitalismus. Obwohl Modempiepsen, Letschogläser und erste Mobiltelefone einen Hauch von Nostalgie in dem amüsanten Roman verbreiten, lässt sich das Buch auch als Kommentar auf das Heute lesen und zeigt Entwicklungen auf, die zum Erstarken der AfD geführt haben und zu anderen Schwierigkeiten, mit denen wir bis heute kämpfen.

Für die gelungene Mischung aus Unterhaltung und Gesellschaftskritik erhält “Oder Florida” von mir einen Punkt.

Bild zum Roman "Das Genie" von Klaus Cäsar Zehrer. Bloggerpreis "Das Debüt 2017". Ein Kinderspielzeug mit bunten Kugeln daran, das aussieht wie ein Molekül.MEIN PLATZ 2 ist “Das Genie” von Klaus Cäsar Zehrer. Hier ist zum einen die Recherche beeindruckend, die Klaus Cäsar Zehrer zur literarischen Verarbeitung der historischen Person William Sidis geleistet hat. All diese Informationen werden auf geschickte Weise in die Geschichte der Figuren eingeflochten, so dass sie sich wie nebenbei vermitteln, während ich als Leserin dem Erzählfluss folge, der mich ganz nah an die Personen heranführt und über unglaubliche 1000 Seiten hinweg mit sich fortreißt.

Für die einfühlsame Figurendarstellung und den weitreichenden Atem und Spannungsbogen erhält “Das Genie” von mir drei Punkte.

Bild zum Roman "Immer ist alles schön" von Julia Weber. Bloggerpreis "Das Debüt 2017". Eine Porzellaneule schaut mit erschreckten Augen in die Kamera, dahinter Spielzeugtannenbäume und ein gemaltes Haus mit einem einzelnen Fenster, in dem das Licht brennt.MEIN PLATZ 1 ist “Immer ist alles schön” von Julia Weber. Die Geschichte von den Geschwistern Bruno und Anaïs und ihrer alkoholkranken Mutter wird auf kunstvolle und zugleich einfühlsame Weise erzählt. Der Roman entführt in die verlorene und zerrissene Welt der Kinder, in der sie trotzdem zu ihrer ganz eigenen Stärke finden. Der Roman legt den Finger immer wieder an die Stellen im Zwischenmenschlichen, an denen es wehtut – dahin, wo Liebe und Schmerz sich treffen.

Für die pointierten, schmerzlichen Wahrheiten, die Bruno und Anaïs formulieren, und für die großartigen Fantasie-und-Groteske-Wucherungen, mit denen Anaïs ihren Alltag bewältigt – für all die im wahrsten Sinne des Wortes treffenden Formulierungen erhält “Immer ist alles schön” von mir fünf Punkte.

Vielen Dank an das Team von “Das Debüt” für die Buchauswahl und an die anderen Blogger der Jury!

Und jetzt bin ich gespannt darauf, was die Gesamtwertung der Bloggerjury ergeben wird!