Versuch: Nanowrimo 2017

Nanowrimo. Eine Romanskizze auf dem Schreibtisch, ein Computerkabel.

In diesem Jahr habe ich einen Versuch gemacht, um mich zum Schreiben zu motivieren. Ich bin nämlich eine von denen, die seit Jahren schon Romanideen mit sich herumschleppen, ohne sie jemals umzusetzen: ein unhaltbarer Zustand!

Zum Glück gibt es dafür Unterstützung aus Übersee. Für Leute wie mich haben sich schon im Jahr 1999 ein paar Leute in Kanada etwas ausgedacht: Nanowrimo; den National Novel Writing Month. Seit nunmehr 19 Jahren finden sich jedes Jahr im November über die Homepage nanowrimo.org Leute zusammen, um sich zum Schreiben zu bringen. Das Ziel ist, im November 50 000 Wörter an einem Roman zu schreiben, also im Schnitt 1667 Wörter pro Tag.

Schreibmotivation: Nanowrimo hilft

Um am Nanowrimo teilzunehmen, muss man sich auf der Homepage registrieren und ein Profil anlegen. Ab Oktober wird dort die Möglichkeit freigeschaltet, seine „Novel“ öffentlich anzukündigen, am besten mit Titel, Cover und „Synopsis“.

Das mit der Synopsis schaffte ich nicht, aber ich kündigte mein Projekt „Rotonda“ an und machte ein dazu passendes Coverbild. Und schon ging es los mit Schreib- und Plot-Tipps, mit Ratschlägen zur Organisation und zur Vernetzung in den verschiedenen Regionalgruppen untereinander.

Mein Ziel war es erstmal, mich überhaupt wieder ans literarische Schreiben ranzuwagen und die innere Hürde zu überwinden, die sich da in mir angestaut hatte. Dafür ist so ein Rahmen ziemlich gut. Das Tagesziel von 1667 Wörtern, das ist schon ziemlich viel, wenn man grad nicht im Training ist – aber, wie ich im Selbsttest feststellte, mit etwas Anstrengung machbar. Um sich nicht auf dem Weg irgendwo zu verzetteln, wird empfohlen, vorher den Plot auszuarbeiten, damit ziemlich klar ist, wo die Reise hingehen soll und damit man nicht auf dem Weg verloren geht.

Weil es in meiner Geschichte vier verschiedene Erzähler gibt, die ihre Sicht auf ein gemeinschaftliches Erleben wiedergeben, hatte ich mir eine Liste gemacht mit den Tagen und den verschiedenen Themengebieten, um die es jeweils gehen sollte. Jeder Figur widmete ich etwa eine Woche.

Nach den ersten Tagen: der Einbruch

Am Anfang ließ es sich gut an. Ich war voll dabei und wollte es unbedingt schaffen, ein „Winner“ zu sein. So wird man dort nämlich motiviert: mit verschiedenen „Badges“, die man sich selbst verleihen kann, und damit, dass man am Ende auf seinem Profil ein Schleifchen über der geschriebenen „Novel“ erhält, wenn man es schafft, die gewissen 50 000 Wörter tatsächlich zu erreichen. Jeden Tag kann man seinen Fortschritt auf der Homepage aktualisieren und sieht, wie die Schreibkurve stetig ansteigt. Oder, wenn es nicht voran geht, wie sie einfach stagniert.

Bei mir gab es leider nach den ersten fünf Tagen einen Einbruch. Ich hätte es vorher wissen können, denn bei den Vorbereitungstipps hieß es immer: „Kannst du dein Pensum reduzieren? Kannst du Verpflichtungen absagen oder in den nächsten Monat verschieben?“ Ich konnte nicht.

Seit Wochen war klar, dass ich im November zwei größere Reisen machen würde. Einmal würde ich Auftritte vor Schülern machen müssen, einmal Interviews für eine nächste Radiosendung. Eigentlich hätte mich das nicht davon abhalten sollen, mich jeden Tag ein bisschen in meine „Novel“ zu versenken. Aber schon im Vorfeld hatte ich geahnt, dass meine Reisen gefährliche Momente für das Vorhaben werden würden. Und tatsächlich, an diesen Sollbruchstellen bin ich eingeknickt. Es gelang mir nicht, mich ganz in meine Romanwelt zu versenken, ich blieb beim Schreiben irgendwie außen vor und merkte, dass das so keinen Sinn hat, dass ich mich lieber, unabhängig vom Nanowrimo aber mit mehr Konzentration noch mal ransetzen muss.

Meine Liste mit den vorgefertigten Themen und Perspektiven erwies sich in diesem Augenblick als eher hinderlich. Daraufhin geriet viel mehr in den Blick, was ich alles noch nicht geschafft hatte, als das ich stolz auf meinen Fortschritt blieb. Vielleicht hätte ich die Vorgehensweise in dem Moment ändern sollen – dafür reichte aber die Kraft in dem Moment nicht aus.

Gescheitert und trotzdem viel gelernt

Leider hat es bei mir also nicht geklappt, den Flow vom Anfang beizubehalten, als andere Dinge in meinen Kopf kamen, die mein kreatives Gehirn beanspruchten. Seit dem 14. November steht der Zähler bei 7458 Wörtern, und alle motivierenden Mails und Badges halfen nicht, mich wieder an den Start zu bringen.

Auch wenn ich es dieses Jahr also definitiv nicht schaffen werde, zu den „Winnern“ zu gehören: Die Teilname am Nanowrimo hat mir auch so schon sehr geholfen. Ich habe einen Blick in meine Romanwelt geworfen und festgestellt, welche Nebenfiguren da so alles auftauchen. Auch wenn ich den Kampf nur ein paar Tage lang ernsthaft aufgenommen habe, bin ich auf einige der Probleme gestoßen, die ich, um den Roman eines Tages doch noch abzuschließen, unbedingt lösen muss. Ich hab das Gefühl angetestet, wie es wohl ist, jeden Tag zu schreiben und jeden Tag ein bisschen voranzukommen. Und das Beste: auch in dieser eher unkonzentrierten Version ist es mir immerhin zwei Mal gelungen, für mich hochemotionale Szenen zu schreiben, von denen ich selber (ohne es noch mal gelesen zu haben) das Gefühl habe, dass sie gelungen sind. Und überhaupt, die Gefühle. Das muss ich mich zwar erst mal trauen, das muss ich auch erst mal aushalten. Denn wenn ich es schaffe, für einen Augenblick ganz bei meinen Figuren zu sein, dann gerate ich in den Sog ihrer Geschichte und fühle diesen bittersüßen Schmerz der Liebe, der Sehnsucht, der Vergänglichkeit – des Lebens.

Mich zum Weiterschreiben zu motivieren, das muss ich jetzt auch ohne Nanowrimo schaffen, ohne tägliches Wörterupdate und ohne Drumherum-Community. Vielleicht hab ich die Hürde aber mit dieser Hilfe genommen – und jetzt klappt es, wenn wieder mehr Zeit da ist, auch ohne das ganze Brimborium.

 

 

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