Ultraschall-Festival 2015: Die Eröffnung.

In der Pause im hinteren Foyer vom Haus des Rundfunks.

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Eine ältere Dame:

„Das erste Stück hat mir ja nicht so gefallen. Das hat mich daran erinnert, wie das war, denn, ich war ja mal in Essen, dort habe ich den Florian besucht.“ (Rückfrage des Adressaten, unverständlich.)

„Ja, genau, der Florian, das ist mein Sohn, der Fotograf. Und dann also in Essen…“ (Rest unverständlich.)

„Ich bin da ja auch immer sehr skeptisch. Also, wenn die Erklärung zu einem Stück länger dauert als das Stück selbst. Also, dann ist doch was faul. Oder?“ (Um Bestätigung heischend zu den Umstehenden.)

„Oder? Dann ist doch was faul!“

(Der Blick der Anwesenden fällt auf die Gemälde, die im Foyer hängen. Sie zeigen, leicht verwischt, das Unterholz in einem Wald mit eng zusammen stehenden Bäumen.

„Oh! Ja, aber das ist doch sehr lichtdurchflutet. Nicht?“

Und noch einmal.

„Aber das. Das ist doch sehr lichtdurchflutet. Nicht?“

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Hinter einer unbenutzten Garderobentheke steht ein Mann im Frack, ein Orchestermusiker. Er strickt an einem grünen Wollstück. Grünkohlgrün, Gelbgrün, Spinatgrün. Vielleicht ein Pullover. Der Mann hat leicht eingefallene Wangen. Sein Blick ist konzentriert, doch er wirkt sehr sicher, als er den Faden mit der Hand wieder aufnimmt und die nächste Reihe beginnt.  Vor ihm auf der Ablage liegen eine Tuba und ein Horn. Zwei Musiker stehen vor der Theke. Eine Musikerin in schwarzen Hosen sitzt auf dem weißen Holz und baumelt mit den Beinen. An ihren Füßen: Stöckelschuhe.

Ein großer Tubist macht für die Frau Witze. Er steckt den Dämpfer in die Tuba und klappert damit herum. Sie lächelt breit und mit rötlichen Wangen. Auf dem Tubakoffer ein Aufkleber: ein Herz für…

Auf einmal lachen alle, auch der Mann mit dem grünlichen Strickwerk. Dröhnendes Männerlachen dringt herüber. Die Musiker an der Garderobentheke stehen aufgereiht wie in einem Tableau vivant – eine Gruppe im Hintergrund in einem Anna-Viebrock-Bühnenbild. Der hagere Mann strickt. Spinatgrün. Gelbgrün. Vor ihm auf der Theke liegt das Horn. Golden und glänzend. In Gelb.

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