Sounds der Woche (92)

Fahrstuhl. Wie ein Rasierapparat schnurrt es, als wir auf den Fahrstuhlknopf drücken und die Kabine die drei Stockwerke bis hinunter zu uns überwindet. „Wenig vertrauenerweckend“, konstatiere ich. Dennoch steigen wir zu zweit in die kleine Kabine und betrachten besorgt das Metallschild mit der Zahl 1957, doch, so alt klingt der Fahrstuhl auch, bis wir mit ruckelndem Quietschen anhalten. Als wir später in der Nacht ins Hotel zurückkehren, ist an der Fahrstuhltür ein Schild angebracht: Außer Betrieb. „Hab ich doch gesagt, wenig vertrauenerweckend“, sage ich. Doch am Morgen, während wir noch im Dämmerschlaf in den Kissen liegen, dringt es wieder zu uns herein, das Geräusch wie von einem Rasierapparat. So schnurrt und brummt es, so scheint mir, schon seit 1957, einzig unterbrochen durch die nächtlichen Pausen: Außer Betrieb.

Kaffeemaschine. Die junge Frau mit der leisen Stimme liest etwas vor, etwas von London, vom Biertrinken, vom Verlust einer Liebe, vom Verlust einer Freundschaft. Ihre Stimme bettet sich ein in die Raumatmosphäre, gleich laut wie das Rauschen der Heizung, die Geräusche der Party von oben drüber, gerade so, dass nichts das andere verdeckt. Doch da wirft der Mann an der Theke die Kaffeemaschine an. Das Mahlen des Kaffees, das Wasser in den Schläuchen, Pumpgeräusche, das Befüllen der Tasse, mechanisches Umschalten, der Milchschaum. London. Milchschaum. Bierschaum. Tassengeklapper. Die leise Stimme überdeckt, überlagert, nach Rauch schmeckenden Küsse, englische Flüche, in Mechanik und Milchschaum ertränkt.

 

 

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