Kirschblüten, Kernschmelze und ein Ballon

Dieser Tage, während der Frühling am Himmel sein gewisses blaues Band durch die Lüfte wehen lässt und an den Bäumen die ersten Knospen und Blätter hervorbrechen, bin ich von einer gewissen Schwäche befallen, von einer Dünnhäutigkeit, die macht, dass mir all diese Schönheit des Frühlings ganz schmerzlich ist.

Etwas über ein Jahr ist es her, es war ähnlich warm und ähnlich schön und der Himmel ähnlich ungetrübt blau, als die Nachricht vom Tsunami in Japan über uns hereinbrach, und kurz darauf: Fukushima.

Meine Mutter sagte, ganz ähnlich war es, als die Bilder von Tschernobyl in der Tagesschau kamen – ein wunderschöner April, und wir Kinder wollten immer draußen spielen und warfen draußen mit Sand umher, und sie machte sich Sorgen wegen der Radioaktivität, aber brachte es doch nicht über sich, uns ins Haus zu verbannen. Und mitten in unser Spiel im Sandkasten hinein das Gerede von den Geigerzählern, die man jetzt bräuchte, und wie verseucht sei jetzt wohl der Salat, und würde man das wohl essen können, was gerade im Garten keimt?

Auf den Bildern aus Japan im letzten Jahr war die unermessliche Zerstörung durch den Tsunami zu sehen, Trümmerwellen, Trümmerseen, und immer wieder die Fassade des Atomkraftwerks in diesem seltsamen Himmelblau, zerrissen und beängstigend stumm aus der Ferne gefilmt, wie sie in einer vermeintlichen Mittagshitze flimmert.

Auf einem Bild aus einem Flüchtlingslager spielte ein Junge inmitten der Matratzenlager mit einem weißen Ballon, der über die liegenden Menschen dahinschwebte.

Später kamen die Bilder von der Kirschblüte, die weißen und rosenfarbenen Blütenblätter in der Luft, eben noch eine Pracht und im nächsten Moment schon wieder vorbei.

Der Gedanke machte mich ganz atemlos – wie schön das Dasein ist, doch auch wie unerträglich zerbrechlich.

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