Honig um den Mund

Gezeichneter Klatschmohn, Bienen und Honigwaben von einem Honigglasetikett

Heute war ich in meiner Eigenschaft als Journalistin in Köpenick unterwegs, um mit einem rüstigen alten Herrn über DDR-Rundfunk-Geschichte und das seltsame elektronische Musikinstrument „Subharchord“ zu sprechen. (Das Instrument hat eine sehr eigenartige Geschichte, von der ich hier vielleicht noch mal an anderer Stelle erzählen werde – zumindest demnächst im Radio.)

Für so ein Interview, bei dem ich O-Töne für eine Radiosendung fischen will, da werde ich, das Mikrofon in der Hand, ganz Ohr. Ich vergesse mich geradezu in der Konzentration auf den Gesprächspartner, dem ich einen energetischen Wohlfühl-Roten-Teppich ausrolle, damit er sich ganz in seiner Geschichte verlieren kann.

Obwohl ich dabei zuhöre und sehr viele neue Dinge aufnehme, bin ich danach total ausgelaugt. Auch heute dachte ich sofort ans Mittagessen, während ich auf dem ruhigen Hof des Mehrfamilienhauses auf mein Fahrrad stieg, und war froh, als ich am Rande der Köpenicker Altstadt einen kleinen Markt entdeckte. Unentschlossen musterte ich die verschiedenen Stände – das Richtige war leider nicht dabei – aber da, der Honigstand.

Noch ganz Ohr, ganz Neugier, fragte ich den Verkäufer, einen Mann im mittleren Alter, ob er mir etwas empfehlen könnte, Akazie, Linde, Raps… Und ob er den Honig selber mache?

Die Frühernte, erfuhr ich, ist ebenso wie die Späternte besonders würzig. Der Rapshonig, Akazie, Linde, das sind eher kurze „Weiden“, der Honig, den er geerntet habe, als seine Völker an einem Buchweizenfeld standen, der sei mit nichts anderem zu vergleichen, und den habe man ihm geradezu aus der Hand gerissen, obgleich er nicht garantieren könnte, dass da nur Buchweizen drin sei. Aber geschmacklich, auf jeden Fall sehr anders! Momentan sei eine Weidelücke, man müsse zufüttern, so wie auch im Frühjahr, ach, dieses Jahr seien die Bienen zu Beginn so schwach gewesen, auch da habe er zufüttern müssen, aber das sei ja normal, und auch 30% Verluste über den Winter, das sei normal. Er gebe 10 Jahre Garantie auf seinen Honig; man habe ja auch in den Gräbern der Pharaonen noch Honig gefunden, der sei 2000 Jahre alt und noch gut. Verderben könnte ja manchmal der Rapshonig, vergären, wenn man zu früh erntet und den Honig nicht lang genug bei den Bienen ließe. Dann hebe es den Deckel vom Glas, und einmal, da wäre einer gekommen, der deswegen reklamieren wollte, aber da habe er gleich gesehen, das war gar nicht sein Honig, der da vergoren war, sondern von dem anderen, bei dem diese Leute eigentlich immer lieber gekauft haben. Mit seinem Honig sei das noch nie passiert. Auf seinen Etiketten, da stehe nichts vom Deutschen Imkerbund, obwohl er im Imkerbund sei, doch die könnten ohnehin nur ein Prozent vom Honig wirklich kontrollieren. Einmal hätten sie ihn auch kontrolliert und hätten nichts zu beanstanden gehabt, außer die Etiketten, weil kein Haltbarkeitsdatum drauf stand. Zwei Jahre sei der Honig noch gut, dieser, die Akazie, geerntet Ende Juni, ganz frisch.

Der Mann blüht auf, lächelt ein in sich ruhendes, zahnlos wirkendes Lächeln, während er weiter und weiter erzählt und ich langsam doch wieder weiter will, das Honigglas in der Hand.

Da hatte ich den Teppich wohl noch nicht ganz eingerollt, und bin nun um so viele Informationen reicher.

 

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