Follow the white rabbit – oder lieber nicht?

Am Anfang gibt es immer diesen kurzen Moment, in dem ich etwas sehe. Ja, so würde ich das beschreiben: „Ich hab da was gesehen!“ – Und das ist der Blick in eine Geschichte hinein. Ich sehe eine Szene, ich sehe eine Situation, eine Konstellation. Und da sind die Figuren, die daran beteiligt sind. Jetzt muss ich das „nur noch“ aufschreiben, „nur noch“ den Figuren folgen und sehen, wohin sie mich führen.

„Nur noch.“

Nicht umsonst in Anführungsstrichen. Das ist ein Zustand höchster Konzentration, der mich in heftiger Erschöpfung zurücklässt, wenn ich mich daran mache, das, was ich da sehe, in Worten aufs Papier zu bringen. Und dann gibt es diese seltsamen Widerstände – die Momente, in denen ich mich fürchte, meiner eigenen Figur hinterher zu gehen. Mir ist es selber gruselig, wohin sie mich führen könnte, was ich da entdecken könnte – gruselig daran ist ja vor allem, dass es in einem selbst stattfindet und sich zugleich so seltsam der Kontrolle entzieht. Kontrolle geht nur, in dem ich stehen bleibe, in dem ich nicht mitgehe.

 

Vermeintliche Kontrolle.

Aber sie lassen mich nicht in Ruhe, diese Biester – wenn ich nicht mitkomme, dann bleiben sie um mich und spielen mir oft und oft die selbe Situation vor, bis sie mir schon aus den Ohren rauskommt. Die Geister, die Biester, sie locken mich, wer weiß, in welche Abgründe hinein. Ha, und wer weiß, vielleicht lassen sie mich dann auch an der nächsten Mülltonne im Stich und verziehen sich? Vielleicht ist ja auch alles total langweilig und kommt mir nur so gefährlich und spannend vor?

Gespannt bin ich auf den Umschlagpunkt – dann, wenn die Neugier überhand nimmt und ich mich fortziehen lasse, wer weiß wohin.

(ICH weiß eigentlich wohin. Und weiß es doch nicht. Und das ist das Gruselige daran…)

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