Elena Ferrante: Meine geniale Freundin

Eine Schüssel voller Tomaten

Welch ein Buch! Schon lange ging es mir nicht mehr so, dass ich derartig in die fremde Welt einer Romanfigur eingestiegen bin, dass ich davon in meinem Alltag eingefärbt wurde und dass ich süchtig war nach der Atmosphäre, in die ich durchs Lesen eintauchen konnte. Ich hab langsam gelesen, von verschiedenen Verpflichtungen in der Lektüre unterbrochen – aber so wie das manchmal in Filmen dargestellt wird: kaum öffnete ich das Buch, wehte mich daraus die andere Realität an, wurde ich davon ergriffen, eingesaugt, war ich sofort wieder im „Rione“ – ohne eigentlich zu wissen, was und wo das eigentlich genau ist.

Elena Ferrante erzählt die Geschichte zweier Freundinnen – der Tochter eines Schusters und eines Pförtners. Die eine, Lila, ist eigentlich besser in der Schule und mit großen geistigen Gaben gesegnet, muss aber später in der Schusterwerkstatt mit helfen, statt weiter lernen zu können. Die andere, die Erzählerin, ist fleißig, geht aufs Gymnasium und hat dort Erfolg – und weiß doch immer, dass Lila ihr eigentlich voraus ist. Man begleitet die Mädchen durch ihre Kindheit und Jugend in den 50er Jahren bis zur Hochzeit, es geht um Kriminalfälle und Liebesgeschichten, um griechisches Vokabeln und sexuellen Missbrauch, um Intrigen, Schuhe und das Geschäft. Darum, wie die beiden Mädchen versuchen, sich aus den vorgezeichneten Pfaden zu befreien. Die Figuren rückten mir sehr nah, ich war geradezu berührt davon, und noch tagelang, nachdem ich das Buch durchgelesen hatte, dachte ich über ihr Schicksal nach. (Kein Wunder: Das Ganze endet auch mit einem grandiosen Cliffhanger!)

Was soll ich sagen? Ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil der Neapolitanischen Saga in die Finger zu kriegen – und lege uneingeschränkt jedem mit Nachdruck die Lektüre ans Herz!


Meine geniale Freundin von Elena Ferrante
Link zum Buch bei buecher.de

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