Ein Ratgeber: Lebe das Leben von dem du träumst von Barbara Sher

Zu einem Ratgeber. Blauer Himmel, überbelichtet. Lebe das Leben, von dem du träumst, von Barbara Sher.

Mein Freund macht sich immer über mich lustig, weil ich so gerne Ratgeber lese. Und mir ist das auch durchaus etwas peinlich. Wieso glaube ich denn, die Erfüllung meiner Lebensträume aus einem Buch herauskristallisieren zu können, das irgendwer anders geschrieben hat, der mich gar nicht kennt?

„Ich verstehe gar nicht, was du da machst“, sagt mein Freund, der diesen Büchern einen deutlichen Widerstand entgegenbringt.

Für mich hingegen ist das Lesen von Ratgebern eine entspannende Tätigkeit, weil ich dabei anhand der Geschichten von anderen Leuten meine eigene Lebenssituation im Hinblick auf das entsprechende Thema reflektieren kann. Manche Ratgeber konsumiere ich wie Junkfood, bequem auf dem Sofa liegend, und sie animieren mich leider überhaupt nicht, etwas an meinem Lebensstil oder meiner Lage zu verändern. Manche aber schaffen es, mich zu packen, mich neugierig zu machen und mich dazu zu bringen, sofort aufzuspringen und mit irgendwelchen Aufgaben loszulegen.

So war es tatsächlich mit „Lebe das Leben, von dem du träumst“ von Barbara Sher. Was ich daran mochte: dass sie gleich zu Beginn verschiedene Glaubenssätze anpackt und einfach umdreht. „Du bist nicht diszipliniert genug“, „Du hast zu wenig Durchhaltevermögen“, „Sei positiv“, „Hab keine Angst“ – und wenn man dann aber wieder eingebrochen ist, nicht diszipliniert genug war, sich in negativen Gedankenschleifen verliert und ängstlich ist, kommt noch das schlechte Gewissen oben drauf und hindert einen daran, an den Dingen festzuhalten, die man doch eigentlich verwirklichen wollte.

Barbara Sher nimmt einem erst mal diesen ganzen Druck, indem sie den Blick auf all die Dinge richtet, die wir ja durchaus geschafft haben. Und hilft einem dabei, die für einen selbst angemessene Motivationsstrategie anzuwenden. Bei mir zum Beispiel ist es so, dass ich immer versucht habe, mich mit dem Geld, was ich verdienen würde, und mit einem boshaften inneren Antreiber zur Arbeit anzuhalten. Geld motiviert mich aber gar nicht mal so sehr (sonst hätte ich wohl auch längst irgendwas anderes mit meinem Leben angestellt.) Und der innere Antreiber bringt es nur dahin, dass ich total verschüchtert dasitze und das Gefühl habe, ich kann ja eh nichts.

Was mich viel mehr motiviert: etwas für andere oder mit anderen zu tun. Die selbstgewählte Herausforderung. Manchmal, bei künstlerischen Dingen: die Verführung hin zum Spaß. Das Material. Die Sache an sich. Und der Antreiber, der braucht sich dann gar nicht so anstrengen, weil ich daraufhin schon heimlich von alleine losgelaufen bin und Dinge getan habe.

Das also ist das Gute an diesem Ratgeber: er gibt keine vorgefertigten Aufgaben an die Hand, die man einfach abarbeiten soll, sondern ermutigt dazu, all diese Dinge für einen selbst anzupassen und sich auf die Suche danach zu begeben, was für einen selber richtig ist und was für einen passt.

Und das andere, was gut ist: Wenn es doch Aufgaben gibt, dann sind sie so schön klein und einfach. Zum Beispiel: Jeden Tag 10 Dinge wegschmeißen (oder verschenken oder weitergeben oder verkaufen oder…), um in seinem Leben aufzuräumen. Und das „jeden Tag“ ist da auch schon wieder ganz und gar nicht dogmatisch gemeint: eben immer dann, wenn es einem einfällt.

Oder: die kleinste mögliche Aktionseinheit finden (und sei es, jeden Tag eine einzelne Taste herunter zu drücken, wenn man Klavier spielen lernen will), die man ausführen kann, ohne dass der große, schwere Widerstand sich in einem regt.

 

Für mich hatte das alles etwas sehr Erfrischendes, und ich habe tatsächlich nach der Lektüre angefangen, verschiedene meiner Glaubenssätze, Vorgehensweisen und Strategien auf den Prüfstand zu stellen. Natürlich lebe ich noch immer nicht so ganz das Leben, von dem ich träume – aber ich hab das Gefühl, ich bin auf einem guten Weg dahin.

 


Lebe das Leben von dem du träumst von Barbara Sher
Link zum Buch bei buecher.de

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