Das Debüt: Ymir oder aus der hirnschale der himmel

Das Debüt von Philip Krömer, „Ymir oder aus der hirnschale der himmel“ erschien im homunculus-Verlag, der sich, wenn ich mich noch richtig an die mitgesendete Verlagsvorschau erinnere, die Herstellung „schöner Bücher“ verschrieben hat (oder waren es „besondere“ Bücher?) Und das hat auf alle Fälle funktioniert: „Ymir“ ist ein wirklich schönes Buch, mit Graphiken, die mich an die Illustrationen aus Jules-Verne-Romanen ebenso erinnerten wie an die anatomischen Zeichnungen aus dem mehrbändigen 30er-Jahre-Brockhaus meiner Eltern.

Eine Rahmenhandlung: ein Erzähler lädt mich ein, seiner Geschichte zu lauschen, auf einem Sessel Platz zu nehmen und mich seinen Worten hinzugeben. Es geht um eine Expedition. Nazizeit. Der Krieg wird bald ausbrechen. Völkische Ideologie hat sich schon breit gemacht. Fast stürze ich mit ab in Island, eine unsanfte Bruchlandung auf grauen Felsen, und dann geht es hinab ins Loch.

Das mit der Rahmenhandlung, die gespreizte, augenzwinkernde Sprache – fast hätte mich das schon wieder rausgeschmissen, bevor die Geschichte überhaupt begonnen hat. Das mit der Expedition, die Reise hinab ins Erdinnere auf einer geheimen Suche – doch, das funktioniert natürlich und reißt mich mit. Und als die augenlosen, kuschligen Ur-Arier alle miteinander mit Hilfe eines Wagner-Duetts zu Tode kommen, war ich sogar ein bisschen traurig. („Ke-ke-li?“)

Trotzdem blieb ich „Ymir“ gegenüber eher distanziert – vielleicht weil ich da keine weitere Dringlichkeit dahinter spüren konnte, außer vielleicht die, dass da jemand seine Gelehrsamkeit und sein Sprachkönnen ausstellen will, und zeigen, wie gut er mit einem „unreliable narrator“ zu spielen imstande ist, und vielleicht noch, dass er schöne, besondere Bücher machen. Und auch wenn das alles wirklich gut gemacht ist, ist es irgendwie nicht genug, um mich auch zu berühren.

Ymir von Philip Krömer
Link zum Buch bei buecher.de

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