Das Debüt: Weißes Rauschen oder die sieben Tage von Bardorf

Weißes Rauschen. Bewegungsunschärfe in Schwarz und Weiß.

Voller Vorfreude habe ich mir “Weißes Rauschen oder Die sieben Tage von Bardorf” vorgeknöpft. Es sollte laut Klappentext um einen Radiosender gehen, um die Atmosphäre in einer Provinzhauptstadt, um Mixtapes und Tonbänder… Vom Titel und der Thematik her dachte ich: genau mein Roman!

Was mir dann auch sehr gefiel: Das Cover mit leicht unscharfen Lichtern, die von der Form her an Bienenwaben denken lassen. Und im Buch selbst: eine  abgedruckte Wave-Form, die Graphik einer Audiodatei, die immer mal wieder als Abtrennung verwendet wird.

Eigentlich war ich (da war aber natürlich meine unaufmerksame Lektüre des Klappentextes schuld) gleich ein bisschen enttäuscht: ach so, ein Krimi, und gleich ein Toter am Anfang, und alles in einem etwas ironischen Stil, manchmal ein bisschen zu gestelzt. Und dann die vielen Figuren, die da gleich am Anfang auftreten wie in einem nicht enden wollenden Reigen – für meinen Geschmack ein paar zu viel, bevor man wieder zu den Figuren des Anfangs zurückkehrte – da hatte man die schon wieder vergessen. Und dazu noch die Schwierigkeiten mit dem Lektorat. Ok, hin und wieder ein Tippfehler, das macht ja nichts. Aber die vielen Wiederholungen! Spätestens wenn es das zweite Mal da steht, habe ich mir gemerkt, dass der Typ da möglichst nicht auffallen will, während er seine Sound-Dateien-Übergabe in einem öffentlichen Mülleimer vorbereitet. Aber es steht noch mindestens fünf Mal da – und wenn das ein Stilmittel sein soll, erschließt sich mir echt nicht der Sinn.

Dann die gewisse Biene, die noch relativ zu Beginn den Bürgermeister in die Hand sticht – und danach kommt die Sekretärin “und wedelt nach dem Tier” – nee, also, wenn die Biene gestochen hat, dann muss man nicht mehr nach dem Tier wedeln, das war s dann nämlich für die Biene. Und dass der Fußballer aus dem Verein da von einem Mitspieler wiederholt nur als “der Spast” spricht, hat mir auch nicht gefallen, auch wenn es ja die Wiedergabe der Figurenperspektive ist – aber einmal hätte dann trotzdem gereicht.

Und dann noch das Frauenbild: Eine, die sich verkauft, um die Miete zu bezahlen, eine graue Maus, die Softpornos schreibt, eine verkrampfte Karriere-Frau mit Doppelnamen, die tabelettensüchtig ist, und noch eine Moderatorin, die auf der Besetzungscouch gelandet ist – hm. Bei den beschriebenen Männern spielt das Sexualleben eine weitaus geringere Rolle. Ach so, es gibt ja doch Frauen, die ziemlich asexuell daher kommen: die Ehefrauen aus dem Kochclub, die dafür nur Karottenstroh und Selleriemousse im Kopf haben.

Also, bei aller satirischer Überspitzung: die Figuren blieben mir dann doch zu nah an den bekannten Klischees.

Obwohl mich solche Dinge hin und wieder bei der Lektüre rausgekegelt haben, hat der Roman es geschafft, mich bei der Stange zu halten, und ich habe das Buch fast an einem Stück durchgelesen, gespannt darauf, wie sich nun alles auflöst. Davon, allerdings, war ich dann auch ein bisschen enttäuscht: da waberten noch ein paar lose Enden herum, ein paar ungerichtete Fragezeichen… Es blieb alles etwas unscharf, wie die verschwommenen Lichter in Wabenform auf dem Cover.

Uli Wittstock: Weißes Rauschen
Link zum Buch bei buecher.de

 

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