Das Debüt: Blauschmuck

„Blauschmuck“, das klingt so poetisch, nach Blaudruck und gefärbten Tischdecken mit weißem Blumenmuster auf einer Sommerwiese, so leicht und luftig und schön. Und tatsächlich fängt der Roman von Katharina Winkler mit einer Szenerie auf einer Blumenwiese an. Viele Kinder, Geschwister, die Tiere hüten müssen. Schafe, Ziegen. Aber in die Idylle bricht der Wolf ein, die weiße Schafswolle ist getränkt mit Blut, und der Vater straft die Kinder mit Prügel. Und so entsteht der Blauschmuck – die Zeichnung der unter dem gewalttätigen Patriarchat leidenden Frauen und Kinder.

In einer schlichten, kargen Sprache erzählt Winkler die (anscheinend wahre, wie man im Epilog erfährt) Lebensgeschichte von Filiz – davon, wie sie von einem prügelnden Vater an einen prügelnden Ehemann und eine grausame Schwiegermutter gerät, wie sie nach Österreich kommt und weiterhin von ihrem Mann missbraucht und geschlagen wird, bis sie daran fast zerbricht.

Präzise und mit unbestechlichem Blick, der auch den Grausamkeiten nicht ausweicht, schildert Winkler Filiz‘ Lebenswelt. Dabei spürt sie den kleinen, keimenden Hoffnungen und glücklichen Begebenheiten ebenso nach wie den herben Enttäuschungen, etwa wenn die lang geplante Flucht mit den drei Kindern doch noch in letzter Minute misslingt. Hinter der klaren Sprache, den durchgängig schlicht gehaltenen Bildern und der geschilderten Alltagsszenerie wird der Abgrund deutlich, der sich in Filiz‘ Leben immer weiter auftut und am Ende gar die Liebe zu ihren Kindern zu verschlingen droht.

Ein wichtiges Buch, das mit kaltem Griff das Herz berührt.

Katharina Winkler: Blauschmuck
Link zum Buch auf buecher.de

 

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