Ein Ratgeber: Lebe das Leben von dem du träumst von Barbara Sher

Zu einem Ratgeber. Blauer Himmel, überbelichtet. Lebe das Leben, von dem du träumst, von Barbara Sher.

Mein Freund macht sich immer über mich lustig, weil ich so gerne Ratgeber lese. Und mir ist das auch durchaus etwas peinlich. Wieso glaube ich denn, die Erfüllung meiner Lebensträume aus einem Buch herauskristallisieren zu können, das irgendwer anders geschrieben hat, der mich gar nicht kennt?

„Ich verstehe gar nicht, was du da machst“, sagt mein Freund, der diesen Büchern einen deutlichen Widerstand entgegenbringt.

Für mich hingegen ist das Lesen von Ratgebern eine entspannende Tätigkeit, weil ich dabei anhand der Geschichten von anderen Leuten meine eigene Lebenssituation im Hinblick auf das entsprechende Thema reflektieren kann. Manche Ratgeber konsumiere ich wie Junkfood, bequem auf dem Sofa liegend, und sie animieren mich leider überhaupt nicht, etwas an meinem Lebensstil oder meiner Lage zu verändern. Manche aber schaffen es, mich zu packen, mich neugierig zu machen und mich dazu zu bringen, sofort aufzuspringen und mit irgendwelchen Aufgaben loszulegen.

So war es tatsächlich mit „Lebe das Leben, von dem du träumst“ von Barbara Sher. Was ich daran mochte: → weiterlesen

Nino Haratischwili: Juja

Juja von Nino Haratischwili. Strassenpflaster, darauf ein Schatten, der sich ausbreitet und nach etwas zu greifen scheint.

Die Lektüre von Nino Haratischwilis Debüt „Juja“ war eine durchwachsene Erfahrung. Am Anfang war ich erst mal ziemlich genervt und dachte darüber nach, das Buch abzubrechen, so sehr ging mir die teenagerhafte düstere „Das Leben ist scheiße“-Attitüde auf die Nerven. Ich war aber erst auf Seite 20 und fand selber, dass das für ein abschließendes Urteil einfach noch zu früh war.

Das Buch lag neben dem Sofa, wo ich → weiterlesen

Honig um den Mund

Gezeichneter Klatschmohn, Bienen und Honigwaben von einem Honigglasetikett

Heute war ich in meiner Eigenschaft als Journalistin in Köpenick unterwegs, um mit einem rüstigen alten Herrn über DDR-Rundfunk-Geschichte und das seltsame elektronische Musikinstrument „Subharchord“ zu sprechen. (Das Instrument hat eine sehr eigenartige Geschichte, von der ich hier vielleicht noch mal an anderer Stelle erzählen werde – zumindest demnächst im Radio.)

Für so ein Interview, bei dem ich O-Töne für eine Radiosendung fischen will, da werde ich, das Mikrofon in der Hand, ganz Ohr. Ich vergesse mich geradezu in der Konzentration auf den Gesprächspartner, dem ich einen energetischen Wohlfühl-Roten-Teppich ausrolle, damit er sich ganz in seiner Geschichte verlieren kann.

Obwohl ich dabei zuhöre und sehr viele neue Dinge aufnehme, bin ich danach total ausgelaugt. Auch heute dachte ich sofort ans Mittagessen, während ich auf dem ruhigen Hof des Mehrfamilienhauses auf mein Fahrrad stieg, und war froh, als ich am Rande der Köpenicker Altstadt einen kleinen Markt entdeckte. Unentschlossen musterte ich die verschiedenen Stände – das Richtige war leider nicht dabei – aber da, der Honigstand.→ weiterlesen

Miranda July: Der erste fiese Typ

Dreckiges Geschirr im Abwasch

„das lustigste, klügste, gewagteste und aufregendste Buch seit Langem“ heißt es auf dem Klappentext. Die Messlatte hängt entsprechend hoch, als ich mit Miranda Julys Debütroman anfange. Der erste Teil gibt Einblicke in das Leben von Cheryl, Mitte 40, die auf verquere Art und Weise auf einen Kollegen steht. Beim Lesen bin ich sofort in der Szenerie, sehe alles genau vor mir, werde in das Geschehen hineingesaugt – und denke trotzdem noch: na ja. So eine Protagonstin, die ein bisschen schräg ist und in ihrer eigenen Gedankenwelt verirrt – so richtig spannend fand ich das erst mal nicht. Als ich auf Seite 80 bin, antworte ich auf die Frage meines Freundes: Also, damit ich es für das beste Buch halte, müsste jetzt noch so einiges passieren!

Ja, und dann – → weiterlesen

Ziel: Gender-Ausgewogenheit auf meinem Blog

Zwei ungleiche Stapel von Holzplättchen vor hellem Grund

Eigentlich war das hier schon zum Frauentag geplant, aber leider bin ich in der letzten Zeit etwas langsam gewesen mit allem. (Das mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und dann auch noch bloggen – das ist halt gar nicht mal so einfach unter einen Hut zu bekommen. Aber dazu mehr an anderer Stelle…)

Nur knappe vier Monate später aber schaffe ich es, die Sache mit der Gender-Ausgewogenheit auf frintze.de endlich mal anzugehen. Als ich nämlich mal wieder einen dieser Artikel las, in denen es um die Benachteiligung von schreibenden Frauen im Feuilleton und bei Literaturpreisen ging, zählte ich mal die Beiträge zu Büchern von Frauen und Büchern von Männern auf meinem Blog und musste feststellen: → weiterlesen

Elena Ferrante: Meine geniale Freundin

Eine Schüssel voller Tomaten

Welch ein Buch! Schon lange ging es mir nicht mehr so, dass ich derartig in die fremde Welt einer Romanfigur eingestiegen bin, dass ich davon in meinem Alltag eingefärbt wurde und dass ich süchtig war nach der Atmosphäre, in die ich durchs Lesen eintauchen konnte. Ich hab langsam gelesen, von verschiedenen Verpflichtungen in der Lektüre unterbrochen – aber so wie das manchmal in Filmen dargestellt wird: kaum öffnete ich das Buch, wehte mich daraus → weiterlesen

Das Debüt: Nachts ist es leise in Teheran

Das Muster eines arabischen Tellers.

„Für meine Eltern“, so lautet die Widmung in Shida Bazyars Debüt „Nachts ist es leise in Teheran“. Auf dem Cover: übereinander gelegte, durchscheinende Rechtecke, eines kleiner als das andere, durch die die Buchstaben des Titels abgedunkelt werden. Kämen noch mehr Rechtecke dazu, man könnte den Titel irgendwann nicht mehr lesen. Und das, so stelle ich fest, passt sehr gut zur Struktur des gesamten Buches, durch das eine bestimmte Zeit in Teheran hindurchscheint, auch wenn sich die Geschichte zwischendurch an ganz andere Orte bewegt.

Mit dem jungen Mann Behsad → weiterlesen

Das Debüt: Weissblende

Fast weißes Bild, wie geblendet

„Weissblende“ von Sonja Harter, das ist ein Buch, dem ich irgendwie mit zwiespältigen Gefühlen begegne.

Matilda lebt allein mit ihrem Vater in einem Tal, langweilt sich dort, ist unterfordert. Ausgerechnet zu den Sommerferien hin beschließt ihr Vater, einen Untermieter anzunehmen: den Franzosen Bonmot. Matilda, die sich gerne als Lolita inszeniert, beginnt ein Spiel mit → weiterlesen